Kritik der arabischen Vernunft jetzt als eBook erhältlich!

April 23, 2013

Der Perlen Verlag hat die Einführung zur Kritik der arabischen Vernunft von Mohammed Abed Al Jabri endlich neu herausgegeben, diesmal als eBook. Es ist eine erweiterte Fassung mit dem Nachwort In memoriam Al Jabri des Verlegers Reginald Grünenberg. Die gedruckte Ausgabe ist komplett verkauft und wird vorläufig nicht neu aufgelegt.

Das eBook ist zunächst im Amazon Kindle Shop für 9,90 € erhältlich (vorherige gedruckte Auflage 19,80 €).
Weitere Online-Shops wie Google Play und Apple iTunes Store folgen in Kürze.

Die Veröffentlichung der weiteren Bände der Kritik der arabischen Vernunft ist noch nicht absehbar. Bis zum Tod des Philosophen Al Jabri 2010 waren noch nicht alle französischen Manuskripte, die er autorisiert hatte, beim Verlag eingegangen.

 

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In memoriam Al Jabri – Fotobroschüre der Editions Maghrébines

Juli 29, 2011

Die Editions Maghrébines in Casablanca hatten zum Tod Al Jabris im Mai 2010 eine schöne Broschüre mit vielen Fotos veröffentlicht, auch aus dem Privatleben des Philosophen. Mit der freundlichen Genehmigung der Herausgeber dürfen wir dieses Dokument nun online stellen. Das pdf-Dokument der Broschüre (14 MB) kann hier geöffnet und heruntergeladen werden.

Broschüre der Editions Maghrebines

Wer des Arabischen mächtig ist und Zeit und Freude daran hat, den Meister in Deutschland bekannter zu machen, kann gerne eine Übersetzung dieser Broschüre anfertigen. Vor allem die Bildunterschriften wären hilfreich.

Die erste Auflage von Kritik der arabischen Vernunft. Die Einführung ist inzwischen vergriffen. In Kürze wird es eine günstige digitale Version des Buches im pdf- und epub-Format geben, das auf allen gängigen Lesegeräten gelesen werden kann, einschließlich Amazons Kindle sowie Apples iPhone und iPad. Wir werden hier darüber berichten.


Der große Philosoph ist tot

Mai 5, 2010
Mohammed Abed Al-Jabri

Mohmmed Abed Al-Jabri (1935-2010)

Wir trauern um unseren Autor, den Gelehrten, Philosophen und großen arabischen Denker Mohammed Abed Al-Jabri. Er starb  nach langer Krankheit am Morgen des 3. Mai 2010 im Alter von 75 Jahren in Rabat/Marokko, wo er über ein halbes Jahrhundert als Forscher, Lehrer und Ideengeber für die ganze arabische Welt wirkte.

In Kürze werden wir ausführlicher berichten.

Perlen Verlag
Harald Steinhausen
Reginald Grünenberg
Christine Noll

Mohammed Abed Al-Jbri

Mohammed Abed Al-Jabri


Rezension im Rheinischen Merkur

Oktober 27, 2009

Im Rheinischen Merkur ist am 22. Oktober 2009 von jku eine kurze Besprechung der Einleitung in die Kritik der arabischen Vernunft erschienen unter dem Titel „Gegen den Niedergang der Vernunft“. Der ganze Text auf http://www.merkur.de/37958.0.html.


Rezension in der Neuen Zürcher Zeitung

September 24, 2009

Der Islamwissenschaftler, Übersetzer und Schriftsteller Stefan Weidner, der an unserer Veranstaltung Ex okzidente lux? im Haus der Kulturen der Welt auf dem illustren Podium teilgenommen hatte und bereits eine Besprechung von Al-Jabris Kritik der arabischen Vernunft. Die Einführung im Deutschlandradio veröffentlichte, hat das Buch noch einmal in der NZZ vom Dienstag, dem 22. September 2009 rezensiert.


Neue Rezensionen: Al-Jabri im Deutschlandfunk und in der taz

August 22, 2009

Die Kritik der arabischen Vernunft findet allmählich ihren Weg in die deutschsprachige Öffentlichkeit. Darüber freuen wir uns als Verlag natürlich. Im Deutschlandfunk hat Stefan Weidner, Islamwissenschaftler und Schriftsteller (oder umgekehrt), der auch an der Al-Jabri-Konferenz im Haus der Kulturen der Welt in Berlin auf dem Podium teilgenommen hat, eine Rezension veröffentlicht.
Hier zum Lesen: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/1020599/
Hier zum Hören: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/08/20/dlf_20090820_1610_b2d8275c.mp3

In der Wochenendausgabe der taz vom 22. August hat Martin Riexinger dem Buch ebenfalls eine wohlwollende Besprechung gewidmet, und wir haben uns sehr gefreut, dass er ausdrücklich dem Perlen Verlag für diese Veröffentlichung gedankt hat. Denn so eine kleine Bande rebellischer Idealisten  wie wir – unser Motto lautet immerhin „Die einfachen Dinge überlassen wir anderen“ – braucht ab und zu auch etwas Anerkennung.

Der Link zum Artikel wird hier eingefügt sobald das bei der taz online ist. Hier zunächst die Zusammenfassung beim Perlentaucher: http://www.perlentaucher.de/buch/31544.html


‚Ex okzidente lux?‘ Die Konferenz über Al-Jabris Werk und eine neue Rezension

Juli 2, 2009

Die Veranstaltung im Haus der Kulturen der Welt am Mittwoch, dem 1. Juli 2009, war ein großer Erfolg für alle Beteiligten, für die Teilnehmer wie für die Veranstalter – das Haus der Kulturen selbst, das Zentrum Moderner Orient und der Perlen Verlag. Es kamen rund 150 Zuhörer zu dieser Konferenz, die mit erstklassigen Podiumsgästen eine leidenschaftliche und kontroverse Diskussion bot. Das Publikum selbst erwies sich ebenso als ausgezeichnet informiert und es kam zu einem spannenden Dialog zwischen den Zuhörern und dem Podium.

AlJabri_Konferenz_HausderKulturenderWelt_1Jul2009V.l.n.r.: Sonja Hegasy (Islamwissenschaftlerin, ZMO), Vincent von Wroblewsky (Philosoph, Übersetzer), Jörg Lau (Journalist, DIE ZEIT, Moderator), Gudrun Krämer (Islamwissenschaftlerin, Freie Universität), Stefan Weidner (Islamwissenschaftler, Übersetzer, Redakteur der Zeitschrift Fikrun wa Fann/Art & Thought)

Hier eine Bericht von dieser Veranstaltung und zugleich eine neue Besprechung des Buches, erschienen im Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/kultur/Islam-Mohammed-Al-Jabri;art772,2838442

Erhebe stolz dein Haupt zum Denken

Philosoph und Politaktivist: Wie Mohammed Al-Jabri den Islam zur Vernunft bringen will
Vielleicht hat er so viele Gesichter, weil die Sache, für die er kämpft, so viele Seiten hat. Mohammed Abed Al Jabri, sagen die einen, ist der führende arabische Intellektuelle, wenn es darum geht, die islamische Welt vom Unvermögen zu befreien, sich des eigenen Verstandes ohne blinden Gehorsam gegenüber religiösen Autoritäten zu bedienen. Ein Aufklärer reinsten Wassers, der aus dem Geist eines in der eigenen Tradition angelegten und nur verleugneten Rationalismus im Augiasstall des Islam ausmistet und den Unfug vor die Türe schippt, der sich gerade in den letzten Jahren angesammelt hat.Einen Moment, sagen die anderen, ist Al Jabri nicht ein furchtbarer Chauvinist, der die gesamte islamische Welt am arabischen Wesen genesen lassen will? Da bemüht sich der Okzident, seinen alten Hochmut abzulegen, indem er die kulturelle Begrenztheit seines Denkens erkennt, und im Orient formiert sich ein Arabozentrismus, dem die Perser mindestens so fremd sind wie das Erbe der islamischen Mystik.Die Lektüre von Al Jabris „Kritik der arabischen Vernunft“, zu der im Vorgriff auf die deutsche Übersetzung des vierbändigen Werks im Berliner Perlen-Verlag nun eine von ihm selbst aus zwei Essays zusammengestellte Einführung erschienen ist (231 Seiten, 19,80 Euro), gibt diese Zwiespältigkeit nicht sofort preis. Der Duktus ist ruhig und klar, ja akademisch ausgenüchtert: weniger genuine Philosophie als philosophische Ideengeschichte, die der 1936 in eine marokkanische Berberfamilie hineingeborene Al Jabri bis 2002 in Rabat auch lehrte. Der Horizont wölbt sich dabei bis nach Frankreich hinüber: Michel Foucault dient ihm als wichtiger Gewährsmann.Wer sich darauf einlässt (und die Anmerkungen konsultiert, die jeden Namen und Begriff ausführlich erklären), begibt sich vor allem auf den Spuren von Ibn Rushd (1126-1198) ins andalusische Córdoba. Der Arzt, Jurist und Philosoph, in Europa besser bekannt unter seinem lateinischen Namen Averroes, mühte sich in der muslimisch-christlich-jüdischen Megalopolis, das analytische Denken von Aristoteles mit der islamischen Theologie zu versöhnen. Die Wahrheiten der Philosophie, lehrte er, können den Glaubenswahrheiten gar nicht widersprechen: Die Philosophie sei vielmehr „die Freundin der Religion und ihre Milchschwester“. Beide seien „von Natur aus miteinander befreundet und lieben sich gegenseitig durch ihr Wesen und ihre Anlage“. Ihm war mit dieser Doktrin kein Glück vergönnt: Er starb in der Verbannung in Marrakesch.Wer sich nur im Berliner Haus der Kulturen der Welt ein Bild von Al Jabris Denken machen wollte, musste – in Absenz des Protagonisten – allerdings mit dem Gefühl davongehen, dass man es weniger mit einem ernsthaften Philosophen als mit einem Politaktivisten zu tun habe. Während Stefan Weidner Al Jabri als jemanden pries, der die geistige Modernisierung des Islam endlich vorangetrieben habe, warnte Gudrun Krämer, die Direktorin der letzte Woche eröffneten Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies, vor falscher Bewunderung: Die von Al Jabri genährte Vorstellung, es gebe so etwas wie ein eigenes arabisches Bewusstsein, sei doch sehr seltsam.

Im Nu zersplitterte die Runde, zu der auch Al Jabris deutscher Übersetzer Vincent von Wroblewsky und die Islamwissenschaftlerin Sonja Hegasy gehörten, in die Fraktion der Universalisten und in diejenige, die Respekt vor der kulturellen Differenz forderte. Auch im Publikum ging es hoch her. Ich habe zwei Jahre lang in Rabat bei Al Jabri im Seminar gesessen und nie einen nationalistischen Zungenschlag gehört, sagte ein junger Marokkaner. Und ein Iraker stand auf und schimpfte: Al Jabri hat jahrelang Saddam Hussein unterstützt, von einer Arabisierung der Kurden gesprochen und im Gegenzug sein Forschungszentrum von Hussein finanzieren lassen.

Was immer davon stimmt: Der auch im Westen vielfach preisgekrönte Al Jabri, der zugleich Auszeichnungen wie den Gaddafi-Menschenrechtspreis abgelehnt haben soll, ist eine kontroverse Figur. Es versteht sich von selbst, dass man ihn politisch als Produkt seiner Zeit begreifen muss. Aufgewachsen mit der panarabischen Vision des ägyptischen Präsidenten Nasser, die 1967 im Sechstagekrieg gegen Israel unterzugehen schien, aber mit Parolen wie „Erhebe stolz dein Haupt, mein Bruder!“ bis in dieses Jahrtausend gerettet wurde, ist er nach wie vor ein Linker. Er zählt zu den Gründern der marokkanischen „Union Socialiste des Forces Populaires“ und hat sich trotz seines Rückzugs ins Philosophische immer wieder als öffentlicher Intellektueller geäußert. Seine Website http://www.aljabriabed.net legt auch mit englischen und französischen Texten davon Zeugnis ab.

Als Philosoph ist er aber so von einem didaktischen Programm beseelt, dass stets mehr als reine Rekonstruktion zur Debatte steht. Insbesondere sollte man nicht so tun, als wäre Al Jabri der Einzige, der die islamische Welt mit dem Licht der Vernunft erhellen wollte. Anke von Kügelgen diskutiert in ihrer Studie „Averroes und die arabische Moderne“ fünf weitere prominente Denker, die seit den sechziger Jahren mit unterschiedlichen Akzenten das rationalistische Erbe des Islam neu beleben wollen – und auch sie sind nur Beispiele für den Aufbruch in ein wissenschaftliches Zeitalter, dem die Politik immer wieder Einhalt gebietet.

Al Jabris „Kritik der arabischen Vernunft“ erreicht Deutschland mit einem Vierteljahrhundert Verspätung. Das liegt auch am Autor selbst, dem zunächst an einem innerarabischen Diskurs gelegen war, der sich dann bis nach Teheran und Istanbul ausdehnte. Das Buch kommt aber auch zur rechten Zeit: Wer hierzulande hätte sich vor zehn Jahren mit dem Islam auseinandergesetzt? Man muss den Alltag von Koranschulen vor Augen haben, wo Kindern, die womöglich kein Wort Arabisch sprechen und in keiner anderen Disziplin unterrichtet werden, der Wortlaut des Koran eingetrichtert wird – und sie von den Inhalten nichts begreifen.

Sie befinden sich sogar noch unterhalb der drei Erkenntnisordnungen, die Al Jabri als Muster der arabischen Vernunft ausmacht: bayan, die Befragung eines feststehenden Textkorpus, der aus juristischen, grammatischen, rhetorischen und theologischen Schriften besteht – und immer wieder die Richtschnur des göttlichen Wortes sucht. Irfan, der gnostische Zugang, wie er sich im Sufismus offenbart, den Al Jabri ablehnt. Und burhan, jene von den beiden anderen Ordnungen frühzeitig aufgezehrte Kunst der logischen Beweisführung, die so etwas wie Wissenschaft erst möglich macht.

Die Stärkung dieser dritten Ordnung liegt für ihn in der Fähigkeit, als Leser zu Texten in kritische Distanz zu treten, statt sich von ihrer Autorität verschlucken zu lassen. Dafür argumentiert er mit einer scholastischen Finesse, die auf verblüffende Weise am anderen Ende von Jürgen Habermas’ Versuch steht, in einer restlos säkularisierten Welt auf ein dogmatisch- rituell entkerntes Christentum zurückzugreifen. Al Jabri zu lesen heißt aber auch, einem intellektuellen Wurzelwerk zu begegnen, das Europa gerne vergisst. Vor drei Jahren hat Kurt Flasch in seinem Buch über Meister Eckhart „die Geburt der ,Deutschen Mystik’ aus dem Geist der arabischen Philosophie“ geschildert. In Al Jabris Texten wird dieser Geist lebendig – erstmals auch für deutsche Leser.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.07.2009)